Mehr Bewusstsein für Digitalisierung – IHK-Barometer auf „gelb“

Welche Bedürfnisse hat die Wirtschaft in Corona-Zeiten? Wie steht es um die Digitalisierung der Unternehmen? Über diese und weitere Fragen haben sich die die Kreisräte der Jungen Union (JU) mit dem Vizepräsidenten der Industrie- und Handelskammer Niederbayern, Franz-Xaver Birnbeck, ausgetauscht.
Ein Jahr zuvor hatte die IHK im Wirtschaftsgespräch mit der jungen CSU ein Abkühlen der Konjunktur befürchtet. Heute ist klar, dass die Pandemie diese Entwicklung beschleunigt habe, wie Birnbeck bestätigte. „Das IHK-Barometer steht auf ‚gelb‘. 55 % der Unternehmen berichten von weniger Nachfrage“, schildert der IHK-Vize die Stimmungslage der niederbayerischen Wirtschaft. Staatliche Hilfen seien notwendig, müssten aber vor allem schnell bereitgestellt werden. Zusätzlich zur angespannten Lage könnten die auslaufenden Steuerstundungen für Unternehmen eine weitere Herausforderung werden, die durch Ratenzahlung oder weitere Stundungen kompensiert werden müssten, so der IHK-Vertreter.
Kreisrat Patrick Zens betonte, dass der Staat beträchtliche Finanzmittel für die Wirtschaft investierte und die Unternehmen durch die Kurzarbeit ein wirksames Instrument hätten, um durch die Pandemie zu kommen. Man müsse jedoch gleichzeitig bedenken, dass länger andauernde Kurzarbeit gerade für sozial Schwächere eine Herausforderung sei und die enormen Summen vom Steuerzahler finanziert werden müssen. CSU-Kreisgeschäftsführer Florian Wiesmüller hält die Fülle an Maßnahmen für begründbar, forderte jedoch mehr Zukunftsinvestitionen staatlicherseits.
Kreisrat Alexander Hannes wollte wissen, wie die IHK die derzeitigen Corona-Regeln beurteile. Man brauche mehr längerfristige Planbarkeit bei den Maßnahmen, so der Vizepräsident der IHK. Der Landkreis werde den Umständen entsprechend gut durch die Krise kommen, da das Gewerbe im Landkreis Regen breit aufgestellt sei. Für die Gastronomie könne sich die Lage jedoch zuspitzen, wenn der Lockdown über den Januar hinaus andauere. Für auf Gastronomiebedarf spezialisierte Großhändler sei der gesamte Wirtschaftszweig derzeit abgetrennt, teilweise müssten verderbliche Waren verlustreich entsorgt werden.
Hannes erkundigte sich außerdem nach dem Stand der Digitalisierung der Wirtschaft im Landkreis. Hier müsse noch mehr Bewusstsein geschaffen werden, der Staat könne und solle unterstützen, den Unternehmen jedoch keine unausgereiften Digitalmaßnahmen, wie die elektronische Rechnung „ZUGFeRD“ überstülpen, ist Birnbeck überzeugt. Zens fragte, welche Steuerungsmöglichkeiten der Landkreis aus IHK-Sicht wahrnehmen solle. Konkrete Hilfestellung und ein strukturiertes Vorgehen für alle Landkreis Kommunen wünsche sich die Wirtschaft, so Birnbeck, der zugleich Geschäftsführer des Großhändlers für Bürobedarf Langer in Geiersthal ist.
Zum Abschluss erkundigten sich die Politiker nach der Lage bei den Ausbildungsplätzen. Es sei weiterhin sehr schwierig die Lehrstellen zu besetzen, erläuterte der IHK-Vize Birnbeck.
CSU-Kreisgeschäftsführer Florian Wiesmüller danke dem IHK-Vizepräsidenten für den Austausch. Die junge CSU werde engen Kontakt zur Stimme der Wirtschaft halten und erneut das Gespräch suchen. Spätestens nach Corona.

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