Alexander Hannes spricht als jüngster Kreisrat

Sehr geehrte Frau Landrätin,
verehrte Kreisrätinnen und Kreisräte,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Weihnachtssitzung des Kreistags ist eigentlich ein Anlass zum Austausch und geselligen Beisammensein.
Doch schon ein Blick in den Saal offenbart: Dieser Jahresabschluss ist kein gewöhnlicher:
Wir müssen Abstand halten und Maske tragen. Ein geselliges Beisammensein ist nicht möglich.
Seit Beginn der Wahlperiode – seit gut eineinhalb Jahren beschäftigt uns ein Thema: Wie kommen wir durch diese Pandemie?
Man hat das Gefühl als wäre man in Michael Endes „Die unendliche Geschichte“.
Ich möchte danken, dem medizinischen Personal, den Pflegekräften in Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen, den Lehrern und Mitarbeitern im Krisenstab, in vielen anderen Berufen und Ehrenamtlichen. Sie alle haben ihren Dienst zu unserer aller Gesundheit geleistet.
Mein Dank gilt denjenigen, die täglich kämpfen und versuchen, die Situation zu verbessern. Die aktuellen Zahlen zeigen: Es wirkt.
Ein herzliches Dankeschön dafür. Ihrem Einsatz gebührt unser aller Respekt.
Nicht versäumen möchte ich außerdem, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landkreisverwaltung für Ihren Einsatz zu danken. Man kann sich sicher schönere Dinge vorstellen, als am Samstag kurz vor Mitternacht Amtsblätter zu versenden. Es zeigt, Sie waren unermüdlichen im Dienst.
Auch dafür meinen aufrichtigen Dank.

Karl Valentin könnte jetzt vielleicht sagen:
„Die Zukunft war früher auch besser!“
Bei der Vereidigung im Mai 2020 haben wir uns nicht vorgestellt, dass uns die Pandemie auch Weihnachten 2021 noch beschäftigen wird.
Auch wenn wir gerade in der vierten Welle stehen, die Zukunft in unserem Landkreis hingegen ist gut – wenn wir die richtigen Weichen stellen.

Wenn wir noch einmal kurz in den Rückspiegel schauen, sehen wir:
Die Pandemie war und ist für uns alle nicht einfach. Der eine sitzt in der Zoom-Konferenz mit Jogginghose am Esstisch, daneben sitzen die Kinder im Homeschooling, der nächste schaut Netflix – sofern das bei unserem Internet überhaupt gleichzeitig geht.
Und unser Kreistag tagte einmal virtuell, ansonsten in kleiner Runde – im sog. Ferienausschuss.
Wir haben über wegweisende Projekte beraten und entschieden. Die Bauabschnitte der Arberlandkliniken in Viechtach und in Zwiesel. Die Sanierung des Gymnasiums in Zwiesel oder der Neubau der Berufsschule in Regen oder der anstehende Neubau der Arberlandklinik in Zwiesel.
Ohne Zweifel: Das erste Drittel dieser Wahlperiode war und ist eine Zeit der Sanierung.

2019 hat Eberhard Kreuzer die Bedeutung der Kommunalpolitik herausgehoben.
Ich möchte heute den Moment nutzen, nach vorne in die Zukunft zu schauen.

Sehr geehrte Frau Landrätin, liebe Rita,
auch dir möchte ich heute dafür danken, zum Jahresabschluss heute vor dem Kreistag sprechen zu dürfen.
Der ein oder andere wird sich gefragt haben, wie ich zu dieser Ehre komme. Die Antwort ist denkbar einfach: Ich bin mit meinen 29 Jahren der jüngste amtierende Kreisrat.
Und so sehr mich das ehrt und freut, zeigt es auch: Politik muss jünger werden.
In wenigen Monaten wird kein Kreisrat mehr unter 30 Jahren alt sein.
Keine Frage: Jeder in diesem Gremium hat seinen Platz verdient.
Wir müssen uns aber in klaren sein:
Jugendbeteiligung im Landkreis sind zurecht auch Jugendforen und Jugendeinrichtungen.
Jugendbeteiligung heißt aber auch: Wir müssen jungen Menschen mehr Möglichkeiten bieten, damit sie am Ende auch in den Gemeinderäten und Kreistagen vertreten sind – und da schließe ich alle Fraktionen und Wählergruppen mit ein.
Mein Appell an uns alle: Sorgen wir dafür, dass junge Menschen eine Chance haben sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Es lohnt sich!

Die beste Jugendförderung ist Zukunftspolitik.
Betrachten wir unseren Landkreis:
• Die Bevölkerung nimmt stärker ab, als im niederbayerischen Durchschnitt.
• Das Durchschnittsalter steigt stärker als im Rest Bayerns.
• Viele Schulabsolventen müssen wegziehen
Daher ist es umso wichtiger, dass wir jungen Menschen eine Perspektive bieten und den Landkreis für die Zukunft rüsten.
Die Hanns-Seidl-Stiftung hat in ihrer jüngsten Jugendstudie ermittelt, welche Themen jungen Menschen in der Kommunalpolitik auf dem Land am wichtigsten sind.
Dabei steht ein Thema an der Spitze:
Mobilität und Verkehr.
Dorfkindern brennt ÖPNV-Anbindung und der Zustand der Verkehrswege auf den Nägeln – sogar noch vor Klimaschutz.
Darum ist es umso wichtiger, dass wir den ÖPNV stärken und dafür kämpfen, dass die Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell dauerhaft erhalten bleibt.
Bedenken wir bei all unseren Entscheidungen auch, dass wir nicht allein auf der Welt sind. Wir konkurrieren mit anderen Landkreisen und Regionen in Niederbayern, Bayern, Deutschland und natürlich auch in Europa.
Richten wir unser Handeln für alle aus, die heute geboren werden. Richten wir unser Handeln danach aus, dass unser Landkreis auch in 20, 30 Jahren ein lebenswerter Landkreis ist – egal ob wir jung oder junggeblieben sind.
Bereiten wir jungen Menschen eine „Zukunft dahoam“

Wir bemühen uns beständig um bessere Infrastruktur. Man sieht es an den Bundes- und Kreisstraßen. Es tut sich was.
Und doch hinken wir ungewollt vielfach hinterher, beim Straßennetz sowieso, aber auch bei der digitalen Infrastruktur.
Jeder Eingriff in die Natur und jeder Flächenverbrauch gehören sorgfältig abgewogen, aber bedenken wir auch:
Wenn wir unsere Lebensadern verkalken lassen, wenn wir im Wettlauf mit anderen Regionen stehen bleiben, dann fallen wir auf Dauer zurück.
Wir müssen uns viel öfter fragen: Welche Auswirkungen hat es, wenn wir diese Straße, Schule, Klinik usw. nicht bauen.
Keine Bürokratie und Blockade. Sägen wir nicht an der Zukunft unseres Landkreises!

Die Pandemie hat uns aber auch die Vorzüge des Landlebens gezeigt. Physisch auf dem Land wohnen, virtuell in der Stadt arbeiten.
Digitalisierung und Homeoffice machen es möglich. Dieser Trend wird anhalten.
Konzerne bauen ihre Büroflächen in den Ballungszentren bereits ab.
Nutzen wir dieses Potential.
Es wird eine Langzeitaufgabe sein. Wagen wir zusammen mit unserer Bevölkerung den Weg näher heran die Spitze!
Es liegt an uns als Kommunalpolitikern für die richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen:
• Bezahlbarer Wohnraum für junge Familien
• ausreichend Kinderbetreuungsplätze
• ein hervorragendes Schulsystem. Dafür haben wir mit der Sanierung der Gymnasien, Realschule und jüngst der Berufsschule in Regen die Weichen gestellt.
• zeitgemäße und moderne Verkehrsinfrastruktur
• beste medizinische Versorgung durch unsere beiden Kliniken
Und ganz wichtig:
Verwaltung und Betriebe brauchen mehr Unterstützung bei der Digitalisierung. Unser Landkreis braucht einen Digitalisierungsmanager.

Schauen wir über den Tellerrand hinaus. Trauen wir uns zu, mutig zu sein und Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
Haben wir den Geist von Max Binder. Damals wurde mutig angepackt, nicht abgewartet, obwohl es um unpopuläre Entscheidungen ging.
Es warten Herausforderungen auf uns. Bringen wir unser ganzes Können, unsere Kreativität und unseren Willen dafür auf.
Und an den Willen aller Anwesenden appelliere ich:
Oft steht man vor schwierigen Entscheidungen.
Das kann eine schwierige Abstimmung, eine Baugenehmigung, die Genehmigung eines Biergartens oder einer Nikolausverteilaktion sein.
Nutzen wir die Spielräume, die wir haben FÜR die Bürger. Machen wir das Leben der Bürger einfacher.
Entscheiden wir FÜR die Bürger und nutzen wir die Spielräume der Paragrafen.
Oder anders gesagt: Schauen wir lieber auf ein „gehd grod no“, anstatt „gehd grod nimma“.
Werden wir zu Ermöglichern. Bringen wir Menschen zwischen Arber und Pröller zusammen. Lösen wir die Probleme der Bürgerinnen und Bürger.
Wenn wir das alles erreichen, bleibt unsere Heimat so lebenswert wie heute.

Für die Weihnachtsfeiertage wünsche ich Ihnen und Ihren Familien alles Gute, ungetrübte Gesundheit und einen guten Rutsch in ein erfolgreiches 2022.
Herzlichen Dank und Gottes Segen!

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